QEK Junior – über Zukunft und Zufälle

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Geschrieben von Claudia Wagner
Donnerstag, 12. Februar 2009
QEK Junior haben mit ihrem Album “Ausverkauf” ein bemerkenswertes Werk veröffentlicht. Und nicht zuletzt, weil der Weg bis hin zur ersten Veröffentlichung des Duos wirklich außergewöhnlich interessant war, haben wir mit QEK Junior mal ein Interview geführt, um sie euch vorzustellen.

Wie heißt eure letzte CD?

Dominic: “Ausverkauf’.

Wo kann man sie bekommen?

Dominic: Das Album kommt auf Danse Macabre / Alive! raus – und sollte daher in jedem guten Plattengeschäft zu bekommen oder zu bestellen sein. Ansonsten einfach eine EMail an info@qek-junior.comDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können schicken!

Wie ist diese Veröffentlichung bei euren Fans angekommen? Welche Reaktionen gab es von Seiten der (Szene-/Fach-)Presse?

Dominic: Bisher waren die Reaktionen mehr als positiv. Auch wenn wir eigentlich ziemlich polarisieren mit unserer Musik – selbst in den “großen” Magazinen Zillo und Sonic Seducer haben wir überaus positives Feedback bekommen und vordere Plätze in den Soundchecks belegt.
Zu direkten “Fan”-Reaktionen kann ich nix sagen, wir sehen uns nicht als Idole und unsere Hörer nicht als “Fans”. “Idole und Fans” – es sollte schon klar sein, dass es nur Projektionen sind! Sagen wir mal so: Die Klicks und Plays auf LastFM und Myspace werden täglich mehr. Das werten wir einfach mal als Zustimmung.

Wie lange habt ihr an der Fertigstellung gearbeitet? Wo wurde die aufgenommen und produziert?

Dominic: Die Songs sind seit Herbst 2005 so nebenbei entstanden – in unserem eigenen kleinen, vollkommen veralteten 8-Spur-Studio.

Wurdet ihr bei der Produktion von jemandem hinter den Reglern unterstützt, oder lag alles allein in euren Händen?

Dominic: DIY – Do it yourself. Lediglich das Mastering hat Michel Schaffer von “The Beautiful Disease” gemacht. Übrigens ein alter Freund von uns.

Welche Anforderungen stellt ihr persönlich an einen guten Song?

Dominic: Groove, Eingängigkeit, kaputte Sounds – und passende Texte.

Tobias: Er muss unabhängig von der Musikrichtung stimmig und harmonisch sein.

Wenn ihr neue Songs komponiert, benötigt ihr da eine bestimmte innerliche Stimmung oder eine besondere Atmosphäre?

Dominic: Yep, durchaus. Es kann vorkommen, dass ich fünf Monate kein Stück hin bekomme, dann aber wieder zwei in einer Woche. Kreativität lässt sich nicht erzwingen und hängt stark von äußeren Umständen ab.

An welchen Orten könnt ihr euch am besten auf das Schreiben neuer Songs und Texte konzentrieren?

Dominic: Im Studio. Texte überleg ich mir häufig sogar im Auto, während ich die Songs auf CD-R im Autoradio höre.

Welche Themen greift ihr in euren Texten auf und durch was lasst ihr euch beim Texten inspirieren?

Dominic: Filme, Politik … Alles mögliche. “Yoshiwara” basiert auf Fritz Langs Metropolis, “Atomkonsens” entstand während der Diskussion um die Laufzeitverlängerung der AKWs. “Kopfkino” entstand nach einer Flasche Rotwein. “Alkohol und Ephedrin” – na ja. Das hat etwas mit so ei ner Art Sei bstmed i kation zu tun … ; -)

qekjunior-2009-1.jpg Wie wichtig sind euch eure Texte? Nehmen sie in der Musik von QEK Junior einen großen Stellenwert ein, oder seht ihr die Texte mehr als Beiwerk zur Musik?

Dominic: Mir sind die Texte sehr wichtig, selbst wenn sie auf einige absurd wirken. Die Texte müssen das Gefühl des jeweiligen Stückes treffen und verstärken. Dazu kommt, dass wir bei allem “Dadaismus”, den manche in den Stücken sehen, darauf achten, dass die Sprache exakt und die verwendeten “Bilder” stimmig sind. Auf schlechte KlischeeTexte, aber auch pseudointellektuelles Geseiere habe ich keinen Bock. Die Texte sollten wenigstens genauso authentisch sein wie die Musik.

Tobias: Text und Musik müssen zusammen passen. Im Idealfall verstärkt eins das andere.

Wer verbirgt sich alles hinter QEK Junior?

Dominic: Tobias (Technik, Produktion) und ich (Programmierung, Texte).

Gibt es so etwas, wie eine grundsätzliche Idee, die sich hinter QEK Junior verbirgt?

Dominic: Die einzige Idee ist, nicht alltägliche elektronische Musik zu machen.

Tobias: Das ganze ist kein geplantes Projekt das irgendwelchen Regeln unterliegt.

Wie, wo und wann kam es zur Gründung von QEK Junior?

Dominic: Durch Zufall, im Herbst 2005. Ich brauchte ein Ausgleich zum Schreiben meiner Magister-Arbeit. Also hab ich mich abends an den Sequenzer gesetzt und Songs geschrieben. Die landete irgendwann bei Myspace – und dann kamen Konzertanfragen, zuerst aus England. Tobias kam dann dazu, um mich live zu unterstützen.

Eure Band gibt es jetzt wie lange?

Dominic: Seit Herbst 2005.

Wie zufrieden seid ihr mit dem bisher Erreichten und was würdet ihr ändern, wenn ihr die Zeit zurückdrehen könntet?

Dominic: Ändern? Nix. Mehr zu erreichen war für ein reines DIY-Projekt in 3 1/2 Jahren nicht drin. Wir sind zufrieden, haben tolle Städte gesehen, Partys gefeiert, nette Leute kennen gelernt – und jetzt ein Album veröffentlicht. Was will man mehr?

Tobias: Wir sind sehr zufrieden!

Was sollten wir alles aus der Bandgeschichte von QEK Junior wissen?

Dominic: Der Höhepunkt war sicherlich das Camping-Wochenende hoch über der Mosel mit belgischem Dosenbier!

Wieso habt ihr euch für den Bandnamen QEK Junior entschieden? Steckt für euch dahinter eine tiefere Bedeutung?

Dominic: Der QEK Junior ist ein kleiner DDR-Wohnwagen. Ich hab selbst so ein Ding in der Garage stehen. Der Name passt hervorragend zur Musik – der Wohnwagen ist technisch veraltet, aber liebenswert. Das verbindet ihn mit unserer Musik.

Was war für jeden von euch überhaupt damals das Schlüsselerlebnis selbst Musik machen zu wollen?

Dominic: He, he, he … Für mich war das das erste Hören von “Come out and play” von “Twisted Sister”. Da war klar: Ich brauch eine Gitarre … ;-)

Tobias: Dominics erste Band war auf der Suche nach einem Techniker. Da ich mich schon immer für Musik interessiert habe, habe ich mich daraufhin mit der eher technisch’en Seite befasst.

Was glaubt ihr, wie wichtig ist in der heutigen (Gotik) Musiklandschaft das Image und das visuelle Erscheinungsbild einer Band? Unterwirft sich QEK Junior irgend einer Kleiderordnung? Wen seht ihr als das typische QEK Junior Publikum an? Gibt es ein bestimmtes Publikum, dass ihr mit eurer Musik ansprechen möchtet?

Dominic: Gerade weil die Optik heute so wichtig zu sein scheint, schwimmen wir live gegen den Strom – und setzen auf Understatement. Es geht primär immer noch um Musik – und dann um alles andere! Wir tragen keine Plastik-Klamotten vom schwarzen Großversand. Ich trete meistens in grauen Hosen (ich würde ja sagen, grauen Bundeswehr-Hosen – eigentlich sind es aber graue Rot-Kreuz-Hosen) auf, in Polo-Shirt oder Sweat-Jacke. Tobias tendiert in letzter Zeit eher zur Karo-Hose, über die ich mich immer mit “widerliche Bäcker-Hose” lustig mache. Ich habe ehrlichen Respekt vor Anne Clark, die sich zur besten Festival-Zeit in so einer Art Daunen-Anorak auf die Bühne stellt und sich einen Sch*iß um das Outfit schert. Unser Publikum kommt zum einen Teil aus dem eher “punkigen” Bereich des Goth-Volkes – oder eben aus der Minimal-Ecke. Bei unseren Konzerten geht es bunt zu und bunt heißt in dem Kontext sicherlich nicht CyberPuschel-Schnickschnack. Eher so “bunt”, wie das Indie-Publikum Ende der 80er, Anfang der 90er mal war.

Tobias: Ich find Karo-Hosen toll.

Dominic: Wenigstens einer.

Gibt es “den” Unterschied zwischen dem Deutschen Publikum und anderem Publikum im Ausland?

Dominic: Ich glaube schon. Die deutsche Szene ist wahrscheinlich die größte weltweit. Selbst in England ist die Goth-Szene, soweit ich das nach unseren Gigs dort beurteilen kann, eher klein. In Frankreich auch … Das macht die Leute dort aber enthusiastischer, als im übersättigten Deutschland – aber auch hier gibt es regionale Unterschiede. Ich trete eigentlich am liebsten im Osten auf.

Was könnt ihr uns über die Live Aktivitäten von QEK Junior berichten? Bekommt ihr oft die Gelegenheit Live zu spielen?

Dominic: Konzerte sind out! Im Ernst: Zur Zeit ist es ruhiger geworden, wir haben erstmals keinen konkreten Gig anstehen. Das wird nach der Veröffentlichung von “Ausverkauf’ aber sicher wieder anders werden. Für eine reine Underground-Band können wir sehr zufrieden, was bisherige Konzerte angeht. Wir mussten noch keine Klinken putzen, um an Gigs zu kommen. Auf der Bühne arbeiten wir, je nach Laune, mit Videoprojektionen oder Werkzeugen wie Flex und Bohrhammer. Je nachdem, wo wir auftreten. Vielleicht verstärken wir uns bald noch mit einem Schlagzeuger.

Wie kann man sich einen QEK Junior Auftritt vorstellen? Was geht bei euch so auf der Bühne ab?

Dominic: Also – bisher war es immer so: Wir nehmen acht bis zehn Bier, gehen auf die Bühne, spielen den Auftritt, haben Spaß, und machen irgendwelche Sachen kaputt – wie gesagt: mit Flex oder Bohrhammer. Wir legen Wert darauf, Neues auszuprobieren.

In welchem Land würdet ihr gerne auf Tour gehen?

Dominic: Tschechien, Polen – Ostmitteleuropa. Und Mittelamerika wäre sicherlich interessant. In Mitteleuropa, Belgien, England, Frankreich, da fühlen wir uns fast überall schon heimisch. Irgendwie habe ich nicht mehr das Gefühl, ins Ausland zu fahren, wenn ich über die nahen Grenzen nach Luxemburg, Frankreich oder Belgien fahre. Die Unterschiede werden immer weiter weggeschliffen – was eigentlich schade ist.

Welches Land hat euch auf der letzten Tour am meisten beeindruckt?

Dominic: Sachsen! ;-)

Gibt es eine gängige Schublade für die Musik von QEK Junior? Wie beschreibt ihr Leuten eure Musik, die euch noch nie zuvor gehört haben?

Dominic: Minimaler Synthie-Wave. Das sagt glaube ich alles.

Wie wichtig ist für QEK Junior (musikalischer) Erfolg?

Dominic: Da müssen wir differenzieren. Anerkennung im Sinne positiven Feedbacks ist mir wichtig. Kein Musiker lässt sich gerne sagen, dass das, was er macht, Schrott ist. Finanzieller Erfolg? Wenn wir nicht drauf legen müssen bei dem, was wir tun, sind wir zufrieden. Wenn nach dem Gig oder einem Release noch was hängen bleibt, ist es super. Zum Glück müssen wir nicht von der Musik leben – das gibt uns die Freiheit, dass zu tun, worauf wir Lust haben.

Würdet ihr euch vielleicht auch (musikalisch) verbiegen lassen, um dadurch eventuell erfolgreicher zu werden, einen fetten Label Deal zu bekommen und bei VIVA & MTV den lieben langen Tag präsent zu sein?

Dominic: Nö. Wir machen Musik, weil wir Spaß dran haben. Prostituieren kann ich mich in jedem anderen Job.

Tobias: Also ich bin ne Nutte. Wo muss ich unterschreiben?

Verbindet ihr mit Musik machen irgendwelche Träume? (Wenn ja, welche?)

Dominic: Nö. L’art pour I’art.

qekjunior-2009-2.jpgMit welchen Schwierigkeiten habt ihr als Band momentan am meisten zu kämpfen? Oder läuft bei QEK Junior alles so, wie es laufen sollte?

Dominic,: Mein größtes Problem ist die Zeit … Ich komme zur Zeit kaum noch dazu, Stücke zu schreiben, weil wir uns um Interviews etc. kümmern, also um die ganzen Sachen im Zusammenhang mit dem Release nächste Woche. Ansonsten läuft alles perfekt!

Ist es für QEK Junior wichtig auch im Internet vertreten zu sein?

Dominic: Klar!!! Wir haben den Deal bei Danse Macabre bekommen, weil Alex uns bei Myspace gehört hat. Wir haben nicht einmal ein Demo eingereicht.
QEK Junior ist ein Web-2.0-Kind – durch und durch! Auftritte, Verkauf, Plattendeal – das lief alles übers Netz!

Was möchtet ihr in naher Zukunft (musikalisch) mit QEK Junior erreichen?

Dominic: Zunächst mal ein paar Gigs spielen – nach dem Stress, den so ein Release mit sich bringt. Und dann wieder ins Studio gehen.

Was war 2008 eure schönste Erfahrung als Musiker?

Dominic: Der Gig auf dem Kernkrach-Festival! Eine geniale Party mit tollen Veranstaltern und einem perfekten Publikum.

Gab es für euch 2008 auch weniger erfreuliche Ereignisse?

Dominic: Nach dem Wochenende im QEK Junior mit belgischem Dosenbier hatte ich eine Bindehautentzündung … Sonst fällt mir nix ein … ;-)

Könnt ihr euch denn zu einem bestimmten Termin hinsetzen um an den neuen Songs zu arbeiten, oder ist dies gänzlich Stimmungsabhängig bei euch?

Dominic: Wie sagt man in Köln – et kütt wie et kütt. Nee, Terminarbeit mach im Büro … ;-)

Was war das schönste oder ausgefallenste Fan-Geschenk?

Dominic: Ein paar Porreestangen.

Und was macht ihr mit euren Fan-Geschenken?

Dominic: Dünsten … Nee, mit den Porreestangen kann man prima ausgewählte Zuschauer verprügeln!

Was war das peinlichste das euch je passiert ist?

Dominic: Als Tobias damals zum ersten Mal mit seiner karierten Bäcker-Hose auf die Bühne kam… Nee, mir fällt da nix wirklich peinliches ein.

Was für Pläne habt ihr  noch in 2009?

Dominic: Album Release – und Konzerte, Konzerte, Konzerte – mit neuen Songs!

Was würdet ihr für Geld niemals tun?

Dominic: Öhm … Nun ja … Einen Werbesong für Roland Koch schreiben?

Wenn sich jemand in Euch verliebt, ein Fan, und ihr wisst davon, was macht Ihr dann?

Dominic: Unsere Welt ist synthetisch, kalt und steril … Da ist für Romantik überhaupt kein Platz …

Tobias: Ist das hier ein Interview mit Tokio Hotel oder was?

Sehr private Frage: seid ihr Single oder vergeben?

Tobias: Für wen beantworten wir hier Fragen, die BRAVO? ;-)

Dominic: Genau! Diese Frage beantworten wir nur, wenn wir auch einen sechsteiligen Star-Schnitt “QEK Junior in Lebensgröße” bekommen ;-)

Wie sieht die Traumfrau/man aus?

Tobias: Ihr kennt doch alle den Witz mit der Frau und den drei Knöpfen am Kopf, oder?

Welche Vorbilder oder Helden habt ihr?

Dominic: Joe Strummer, Justin Sullivan – was Texte und Songwriting angeht. Robert Gör!. Und natürlich Harry Foyer.

Tobias: Simon Peters

Was wollt ihr nach der Musik machen?

Dominic: Mit Nichtstun Kohle scheffeln. Ähem.

Wenn ihr einen Wusch frei hättet, was würdet ihr euch wünschen?

Tobias: Ne Frau mit drei Knöpfen am Kopf!!!

Was würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen?

Dominic: Einen Weltempfänger … Bücher … Eine Gitarre. Oder’ nen Synthie, wenn es Strom gibt. Und vielleicht belgisches Dosenbier.

Tobias: Dosenbier und diese Frau, ihr wisst schon.

Ich bedanke mich bei euch für das Interview und wünsche euch für die Zukunft alles Gute.

 



This entry was posted on Wednesday, December 23rd, 2009 at 9:20 pm and is filed under Interviews. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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