Art Noir
Die Vorproduktion ist komplett in meinem Studio in Stuttgart entstanden.
Ursprünglich war die Musik schon Ende 2007 so gut wie fertig; ‘Silent Green’ sollte weitgehend ein Instrumental-Album werden, so ähnlich wie ‘Flügel’, nur etwas kontrastreicher und eckiger. Die CD war kurz vor der Veröffentlichung, als mich ein Freund überredet hat, bei Myspace Mitglied zu werden. Das hat sich als Glücksfall herausgestellt, denn auf diese Weise hatte ich die Möglichkeit, Nadine Stelzer (
Ihr hat meine Musik gleich gefallen, und so ging die Produktion in die zweite Runde: Wir mussten texten, um arrangieren, Gesangslinien schreiben und aufnehmen. Das war eine sehr spannende, kreative Arbeit, hat aber viel Zeit in Anspruch genommen, schon alleine wegen der Distanz Stuttgart – Berlin. Die Gesangsaufnahmen sind in zwei Studios in
Berlin gemacht worden: AudioOffice und Unterton. Und schließlich ist zum Mischen noch der Produzent Olaf Wollschläger aus Kerpen bei Köln dazu gekommen. Mastern sollte man sowieso nicht selbst, weil vier Ohren immer mehr hören als zwei. Olaf hat das großartig gemacht.
Welche Anforderungen stellst Du persönlich an einen guten Song?
Ein guter Song muss im Bauch UND im Kopf funktionieren. Ersteres lässt sich nicht wirklich erklären. Aber ich brauche zusätzlich zum
Gänsehaut-Gefühl meist etwas, das meinen Verstand anspricht. Versteckte Details, intelligente Texte…, so etwas in der Art.
Wenn Du neue Songs komponierst, benötigst Du da eine bestimmte innerliche Stimmung oder eine besondere Atmosphäre?
Manchmal muss ich tatsächlich in einer bestimmte Stimmung sein. Ich arbeite fast immer an vielen Tracks parallel, so dass ich mir immer den
heraussuche, der mich jeweils gerade am meisten reizt. Aber vieles ist dann auch mehr oder weniger Handwerk, vor allem der Feinschliff gegen Ende, der auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann.
Welche Themen greifst du in deinen Texten auf und durch was lässt du dich beim Texten inspirieren?
Die Themen schlummern seit langem schon in den Schubladen meines Gehirns. Es sind Emotionen, die mich beschäftigen, aber nicht unbedingt mit persönlichen Erlebnissen zu tun haben müssen.
Das Thema von ‘Silent Green’ ist Gegensätze und Kontraste. Oder auch unterschiedliche Sichtweisen. Das fängt beim Titel an, der neben der Anspielung auf den Science-Fiction-Klassiker von Richard Fleischer
‘Lost Game’ bietet dem Hörer zwei unterschiedliche Positionen an. Die Frage bleibt: Ist es Spiel oder Ernst?
‘Brother Of Sleep’ stellt zwei scheinbar gegensätzliche Ansichten zum Thema Tod gegenüber: Im Buddhismus ist der Tod nur ein Übergang, ein weiterer Schritt. Der Choral ‘Komm O Tod Du Schlafes Bruder’ im zweiten
Teil des Stücks steht für die christlich-abendländische Sicht: Der Tod ist Ende und Erlösung. Aber vielleicht sind diese Gegensätze auch nur eine Illusion.
Rein quantitativ nehmen die Texte auf ‘Silent Green’ eher einen kleinen Platz ein. In den Stücken mit Gesang sind die Texte aber gleichberechtigt neben der Musik, auch wenn sie später entstanden sind.
Kannst du dich denn zu einem bestimmten Termin hinsetzen um an den neuen Songs zu arbeiten, oder ist dies gänzlich stimmungsabhängig bei dir?
Wenn alles nur stimmungsabhängig wäre, dann gäbe es bis heute keine fertige CD. Die Idee oder Keimzelle eines Stücks entsteht oft aus einer bestimmten Stimmung, aber für die weitere Arbeit brauche ich dann einfach nur Zeit.
Wie und wann kam es zur Gründung von Art Noir?
1996 wurde unser erstes Stück ‘Hinter der Nacht’ auf dem Sampler ‘Saille Compilation’ veröffentlicht. Damals hatten wir die Idee, neben der Musik auch Fotografie und Mode in das Projekt ‘Art Noir’ zu integrieren. Daher der Name ‘Schwarze Kunst’, sozusagen als Oberbegriff. Übrig geblieben ist die Musik. Und der Name.
Was glaubst du, wie wichtig ist in der heutigen (Gothic) Musiklandschaft das Image und das visuelle Erscheinungsbild einer Band? Unterwirft sich Art Noir irgend einer Kleiderordnung?
Das Image einer Band ist immer, auch in den bunten Szenen, sehr entscheidend. Die Hörer identifizieren sich nicht nur mit der Musik, das ist viel mehr. In der Gothic-Szene ist die Optik sowieso schon sehr wichtig; bisweilen ist das Publikum besser gekleidet als die Menschen auf der Bühne. Insofern ist der Effekt von Styling und Kleidung nicht so immens. Aber grundsätzlich mag ich es, wenn man merkt, dass sich eine Band Gedanken macht über ihr Gesamtkonzept. Ein Plattencover oder eine Bühnenshow soll ja auch was fürs Auge sein. Uns reicht es bisher, wenn der Look von Art Noir in etwa der Musik entspricht, also einfach dunkel. Mehr oder weniger das, was wir im
Alltag oder beim Ausgehen eben auch tragen. Bei Auftritten könnte sich das allerdings noch ändern.
Das Beschreiben würden wir gerne anderen Leute überlassen. Aber in der Schublade mit der Aufschrift ‘Dark Ambient’ sind wir vermutlich ganz gut
Verbindest du mit Musik machen irgendwelche Träume? (Wenn ja, welche?)
Wir überlegen, wie ‘Art Noir’ auf der Bühne funktionieren würde. Das ist mit so wenigen Gesangsstücken bisher nicht einfach. Es ist schön, wenn
uns die Musik gefällt. Noch besser ist es, wenn anderen die Musik auch gefällt. Und am schönsten ist es, wenn man die Reaktionen der Hörer mitbekommt.
Ist es für Art Noir wichtig auch im Internet vertreten zu sein?
Das Internet ist wahrscheinlich der größte Faktor, was Promotion angeht.
Nirgendwo anders kann man mit so wenig
zwar auch kritisch, aber es ist nicht zu bestreiten, dass das Netz zur Zeit vermutlich das beste Massen-Kommunikationsmedium ist. Auf diesem Weg bekommen wir auch das meiste Feedback zu unserer Musik.
Was möchtest du in naher Zukunft (musikalisch) mit Art Noir erreichen?
Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit mit Nadine. Und vielleicht ergeben sich noch andere Kollaborationen. Auf jeden Fall wird es spannend bleiben.
Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Meine Liebste natürlich.
Ich bedanke mich für das Interview! Die letzten Worte überlasse ich dir!
Dankeschön.
Wir würden gerne noch auf ein Projekt von GriffonVox aufmerksam machen:
‘Goth For Earth’ (
viel mehr bewirken. Ökostrom, Bio-Essen, Recycling…, es gibt so viele Möglichkeiten, die möchten wir propagieren. ‘Silent Green’ ist schon umweltfreundlich produziert worden (Ökostrom, Recycling), aber in der
Szene steckt noch viel Potenzial.
Wear black, think green!
Claudia Wagner
This entry was posted on Wednesday, December 23rd, 2009 at 7:45 pm and is filed under Interviews. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.


